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ARD alpha-demokratie – Live-Sendung mit UNIKA-T-Professorin Claudia Traidl-Hoffmann zum Thema „Diesel und Feinstaub“

Presse-Informationen

26.09.2018

Die aktuellen Diskussionen in Politik und Gesellschaft um Diesel-Nachrüstungen und Schadstoffgrenzwerte vermitteln zumeist nur ein oberflächliches Bild der Problematik um Luftverschmutzung, deren Folgen für die Gesundheit langfristig noch nicht abzuschätzen sind. Umso wichtiger also, dass durch die Medien eine fachgerechte Aufbereitung des Sachverhaltes stattfindet. Dabei sollen auch Experten zur Sprache kommen, die über ihre Arbeit berichten. So geschehen am Dienstag, 25.09.2018, als im Fernsehformat „ARD alpha-demokratie“ das Sendungsthema „Diesel und Feinstaub“ hieß. Als Expertin hierfür war UNIKA-T-Professorin Claudia Traidl-Hoffmann zu Gast im Fernsehstudio des Bayerischen Rundfunks, wo BR-Moderatorin Imke Köhler im Gespräch mit der Umweltmedizinerin über dreißig Minuten hinweg die Problematik von Luftschadstoffen erörterte. Sachlich gehaltene Infovideos konnten den Zusehern außerdem viele wichtige Daten und Hintergrundinformationen liefern.

Die gesamte Sendung können Sie hier ansehen.

CTH bei ARD alpha demokratie

Klicken Sie auf das Foto, um dieses vergrößert zu sehen (Foto: Traidl-Hoffmann / UNIKA-T)

 

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Die Wissenschaft ermittelt Zusammenhänge zwischen Schadstoff und Krankheit

Traidl-Hoffmann betont in ihren Antworten, dass Wissenschaftler über mathematische Modelle Korrelationen zwischen Umweltgiften in der Luft und dem Auftreten von Krankheiten in der Bevölkerung erstellen. Korrelationen sind statistisch berechnete Zusammenhänge von Messwerten zweier oder mehrerer zunächst nicht direkt miteinander in Verbindung stehender Sachverhalte wie etwa Diesel-Emmissionen und Herz-Kreislauferkrankungen. Jedoch zeige jeder Mensch individuell unterschiedlich Reaktionen auf bestimmte Luftschadstoffwerte. Traidl-Hoffmann erklärt bei ARD alpha-demokratie, dass hierin die Schwierigkeit besteht, einheitlich gültige Grenzwerte aufzustellen und deutet auf die Wichtigkeit der Messung individueller Schwellenwerte für Schadstoffbelastungen hin.

Zu den wichtigsten vom Menschen verursachten Schadstoffen in der Luft zählen:

  • Stickoxide (NOx)
  • Kohlenstoffdioxide (CO2)
  • Feinstaub
  • Rauch

Folgen für die Gesundheit durch die Luftverschmutzung sowohl im Innen- wie Außenraum sind primär:

  • Atemwegserkrankungen
  • Lungenkrebs
  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • Entstehung von Allergien
  • Diabetes

Traidl-Hoffmann weist in der Sendung auch daraufhin, dass auch natürlich entstandene Partikel in der Luft Folgen für die Gesundheit haben können, vor allem allergener Pollen.


Warum machen uns Luftschadstoffe krank?

Wissenschaftlerin Traidl-Hoffmann erklärt, dass Luftschadstoffe die Oberflächen der Haut und der Lunge chronisch entzündlich halten und dadurch schwere Krankheiten leichter entstehen. Die Zunahme von Allergien entstehe parallel zur industriellen Entwicklung. 40 % der Bevölkerung leide bereits an Allergien; 30 % der Kinder habe Neurodermitis. Eine Studie konnte zeigen, dass das Aufwachsen neben vielbefahrenen Straßen die Entstehung von Neurodermitis befördert. Asthma nehme u. a. zu, weil Pollen aggressiver werden. Die einzelnen Faktoren bedingen sich wechselseitig. Luftschadstoffe reizen die Lunge, verstärken die Pollenallergenität, und beides wirke schädlich auf die Gesundheit. Außerdem machten Luftschadstoffe die Haut wie ein Sieb durchlässig für schädliche Umweltfaktoren. Das sei mit der Grund, warum so viele an Neurodermitis erkrankten als direkte Folge der Einwirkung von Luftverschmutzung auf die Schutzfunktion der Haut. Auch Krankheiten wie Diabetes könnten durch chronische Entzündungen, ausgelöst von Luftschadstoffen, bedingt sein. Doch auch hier ermittle die Forschung bislang vorrangig Korrelationen. Die molekularen Mechanismen müssten nunmehr erforscht werden, verdeutlicht Traidl-Hoffmann während der Live-Sendung.

 

Nicht nur die Politik kann handeln, jeder von uns ist gefragt – von der individualisierten Schadstoff-Messung bis zu neuen Technologien

Nicht nur die Politik sei für das Erreichen einer verbesserte Situation zuständig, vermittelt Traidl-Hoffmann. Alle müssten individuell dazu beitragen. In einer Videoeinspielung am Anfang der Themensendung „Diesel und Feinstaub“ berichtete ARD alpha-demokratie, dass das Abrennen von Feuerwerkskörpern während der Silvesterfeiern um die 15 % der Menge an Feinstaub entstehen ließ, die von Verkehr und Industrie während des gesamten Jahres ausgestoßen werden. Moderatorin Köhler fragt außerdem nach der Situation für Fahrradfahrer im Verkehr. Umweltmedizinerin Traidl-Hoffmann antwortet, dass besonders für Radler die Belastung der Luft mit Schadstoffen ein gesundheitliches Risiko darstelle. Jeder Radler bräuchte demnach eine persönliche App, die ihm anzeigt, wo die Luftbelastung gerade besonders hoch ist. Generell sei ein Ziel für die Zukunft, die individuelle Belastung durch Luftschadstoffe – am Arbeitsplatz, beim Sport oder im Verkehr – messbar zu machen. Diese Daten könnten zusätzlich mit Gesundheitsdaten abgeglichen werden. Ein weiteres Ziel müsse laut Traidl-Hoffmann sein, intelligentere Kraftstoffe und neue Technologien zu entwickeln, wofür die Umweltmedizinerin glaubt, dass Deutschland die nötigen Kapazitäten habe. Seit einigen Jahren sinkende Messwerte einzelner Luftschadstoffe gäben noch keinen Anlass, den begonnenen Prozess niedriger Schadstoffemissionen zu beenden. Bevölkerungsstudien würden in Zukunft sogar weitere Korrelationen zwischen einzelnen Luftschadstoffen und Krankheiten bestimmen.

Als Fazit der Sendung erklärt UNIKA-T-Professorin Claudia Traidl-Hoffmann: Generell müssten Forscher mehr in der Öffentlichkeitsarbeit tun, um die Bedeutung ihrer Erkenntnisse klarzumachen. Des Weiteren müsse, wie bereits im Koalitionsvertrag festgeschrieben, die Prävention von Krankheiten gefördert werden. Hierfür ist die Erforschung der Umwelt-Mensch-Interaktion Voraussetzung. Die neue medizinische Fakultät in Augsburg habe genau dieses Thema – „Umwelt und Gesundheit“ – sich zur Aufgabe gemacht.

 

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CTH bei ARD alpha demokratieDas Foto zeigt Univ.-Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann im Studio des Bayerischen Rundfunks (Foto: C. Traidl-Hoffmann / UNIKA-T)

CTH bei ARD alpha demokratie Bildschirmfoto br.deDas Bildschirmfoto zeigt von links Univ.-Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann im Gespräch mit BR-Moderatorin Imke Köhler (Bildquelle: Bayerischer Rundfunk / br.de)