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Atopisches Ekzem und Hautmikrobiom: Fachzeitschrift „Der Hautarzt“ veröffentlicht umweltmedizinische Übersichtsarbeit

Forschung: Projekte und Publikationen

05.06.2019

„Der Hautarzt“ (Springer Medizin) gehört zu den wichtigsten Fachzeitschriften im deutschsprachigen Raum für Klinikärzte sowie Niedergelassene aus dem Bereich der Dermatologie und veröffentlicht monatlich Fachbeiträge zu aktuellen Themen rund um Haut und Hauterkrankungen. Die Übersichtsarbeit „Atopisches Ekzem und Hautmikrobiom“ von Erstautor Dr. Matthias Reiger ist nun in der Juni-Ausgabe erschienen. Darin fasst der Mikrobiologe des UNIKA-T den aktuellen Wissensstand zu diesem Thema gut verständlich zusammen. Umweltmedizin-Alumna Dr. med. Vera Schwierzeck stellte die immunologischen Zusammenhänge her und Direktorin Claudia Traidl-Hoffmann brachte die klinische Translation mit ein. Die gesamte Publikation lässt sich hier nachlesen. Eine kurze thematische Zusammenfassung und Forschungsziele lesen Sie im folgenden Text.


Die Hautbarriere: Interaktion zwischen Zellen und Bakterien trainiert das Immunsystem

Für die Wissenschaft birgt die genetische Information des Mikrobioms der Haut neue Ansätze für die Neurodermitis-Forschung. Bakterien können kommensal sein, d. h. sie leben in einer förderlichen Wechselbeziehung mit dem menschlichen Organismus. Bei der Interaktion mit dem Bakterium S. epidermidis etwa werden Immunzellen dahingehend stimuliert, sogenannte AMPs (antimicrobial peptides) abzusondern, die die Anzahl (siehe Infokasten) krankmachender Bakterien gering halten. Mitunter dadurch bleibt die Hautbarriere intakt, d. h. die chemische, physische, immunologische und bakterielle Interaktion verläuft zum Schutz des Körpers vor Allergenen oder Krankheitserregern.


S. aureus und Neurodermitis – eine geschwächte Hautbarriere begünstigt Allergien

Das Bakterium S. aureus wird besonders häufig bei Menschen mit einem atopischen Ekzem im Entzündungszustand festgestellt. Forscher vermuten Pathogenitätsfaktoren, also krankmachende Stoffwechselprodukte dieses und anderer Bakterien, als Auslöser für eine Schwächung der Hautbarriere – eine Voraussetzung für die Entstehung von Allergien oder Asthma. Wie genau diese Pathogenitätsfaktoren die starken Zellverbindungen der äußersten Hautschicht schwächen, soll in Folgeprojekten erforscht werden. Hierfür kommen die genetische Sequenzierung und weitere Methoden zum Einsatz.


Genetische Veranlagung und Umweltfaktoren beeinflussen Hautbarriere und Mikrobiom

Der Gesundheitszustand der Hautbarriere wird u. a. von der genetischen Veranlagung und Umweltfaktoren wie UV-Licht, Hygiene oder psychischen Faktoren beeinflusst. Für den dynamischen Verlauf eines atopischen Ekzems verheißt deren Erforschung weitere hilfreiche Behandlungsansätze in naher Zukunft. Am Lehrstuhl und Institut für Umweltmedizin setzt Direktorin Claudia Traidl-Hoffmann zu diesem Zweck auf eine interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit zwischen Medizin und Naturwissenschaft.

 

Info Mikrobiom

Unter „Mikrobiom“ lässt sich vereinfacht díe Gesamtheit aller Pilze, Viren und Bakterien innerhalb eines Systems verstehen, insbesondere ihre Anzahl (wie viele unterschiedliche Mikrobenspezies) und Häufigkeit (wie viele Mikroben pro Spezies). Die Anzahl aller Mikroben in und auf einem Menschen summiert sich auf mehrere Billionen. Ihr Gesamtgewicht beträgt bei einem Erwachsenen etwa zwei Kilo des Körpergewichts.

 

Info Neurodermitis

„Neurodermitis“ wird in der Medizin auch als atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem bezeichnet. Atopisch bedeutet hierbei eine an unterschiedlichen Körperregionen auftretende Immunreaktion gegenüber eigentlich harmlosen Substanzen wie etwa Pollen oder Tierhaare. Entzündungstellen werden als Ekzem bezeichnet, das in Schüben verläuft, mit wiederkehrenden (chronischen) Entzündungsmustern und Juckreiz bis hin zu schmerzender Bläschenbildung.

 

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Figure 4 Atop. Ekzem u. Mikrobiom Der Hautarzt Juni 2019Die Grafik veranschaulicht den Stellenwert des Mikrobioms für die Neurodermitis-Forschung. (Grafik open source; Springer Medizin)

Matthias ReigerDr. Matthias Reiger, Fachbereichsleiter für Mikrobiologie