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Bioklimatisches Informationssystem Bayern (BioClis) - Arbeitstreffen am UNIKA-T mit öffentlicher Diskussionsrunde und Ideenfindung

Forschung: Projekte und Publikationen

03.12.2019

Am 25. November 2019 fand am UNIKA-T das BioClis-Arbeitstreffen statt. Zahlreiche Personen aus der Wissenschaft, Gesellschaft und Politik nahmen teil, um über die aktuelle Entwicklung des Projekts „Bioklimatisches Informationssystem Bayern (BioClis)“ zu diskutieren und eigene Ideen beizutragen. Gastgeberin des Arbeitstreffens war Professorin Claudia Traidl-Hoffmann vom UNIKA-T, das Projektpartner bei BioClis ist, in ihrer Funktion als Ordinaria der Technischen Universität München. Die BioClis-Projektleitung liegt bei Professor Michael Bittner vom Earth Observation Center des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in seiner Funktion als Professor für Atmosphärenfernerkundung am Institut für Physik der Universität Augsburg. Im November 2017 startete BioClis unter Förderung durch die Bayerischen Staatsministerien für „Gesundheit und Pflege“ sowie „Umwelt und Verbraucherschutz“. Weitere am Projekt teilnehmende Institutionen sind das Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und die Forschungsstation Schneefernerhaus. Am Arbeitstreffen nahmen zusätzlich Vertreter des Deutschen Wetterdienstes (DWD), des Helmholtz-Zentrums München (HMGU), der Bayerischen Staatsministerien und Landesämter für „Gesundheit und Lebensmittelsicherheit“ sowie „Umwelt“ teil. BioClis ist Teil des Verbundprojekts „Klimawandel und Gesundheit“ in Bayern (VKG). Im Dezember 2019 endet das Projekt BioClis. Es ist bereits ein Folgeprojekt angedacht; zunächst aber werden die Ergebnisse der bisherigen Erkenntnisse ausgewertet.

 

Tagesaktuelle bioklimatische Informationen zum Gesundheitsrisiko durch Umweltstressoren

Ziel des Projektes BioClis ist es, ein auf die Region Bayern (und später auf den Alpenraum) ausgelegtes und webbasiertes Informationssystem als einen bürgernahen Service zu installieren, der die Bevölkerung tagesaktuell zum aggregierten Gesundheitsrisiko durch Luftschadstoffe und durch thermischen Stress informiert. Aggregiert heißt hierbei, dass die gemeinsame (kumulierte) Auswirkung verschiedener Schadstoffe (z. B. Stickoxide, Ozon, Feinstaub usw.) auf das menschliche Wohlbefinden abgeschätzt wird. Das Verfahren, das dieses leistet, ist sehr komplex: es beinhaltet ein komplettes zahlenbasiertes (numerisches) Wettermodell, um Wind, Temperatur und Niederschlag zu erfassen. Ein nachgeschaltetes, komplexes Chemie-Transport-Modell beschreibt den Transport, die Strahlung und die chemische Umwandlung von Schadstoffen in der Luftbewegung. Ein weiterer Parameter ist die Luftströmung, die je nach Lage von Häusern und Straßen unterschiedlich gegeben ist. Informationen über Emissionen aus Industrieanlagen und Verkehr, aus Wäldern und Grünflächen sowie Schadstoffeinträge durch großräumige Strömungen werden ständig einberechnet, um die Abschätzungen so genau wie möglich zu halten. Hierfür werden auch Messdaten von Satelliten und Bodenstationen mit verwendet. Der Service leistet auch mehrtägige Vorhersagen. Die Aufgabe des UNIKA-T bei BioClis besteht darin, umweltmedizinische Empfehlungen für das richtige Verhalten bei erhöhten Belastungen durch Umweltfaktoren auszusprechen.

In seinem Vortrag vor Beginn des Arbeitstreffens erklärte Thilo Erbertseder vom DLR, wie Umweltstressoren eine Wirkung auf die menschliche Gesundheit ausüben.

Zu den Umweltstressoren zählen u. a.:

Lärm, Hitze, Kälte, Ozon, Feinstaub, Spurengase wie NO2 und SO2, Pollen und UV-Strahlung

Die Folgen der Umwelteinflüsse auf die Gesundheit variieren je nach Alter, genetischer Disposition und Vorerkrankungen.

Zu den Krankheitsfolgen zählen i. B.:

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegsreizungen, Hautentzündungen und viele weitere Umwelterkrankungen

Hinzu kommen Effekte des Klimawandels auf Luftschadstoffe und andere Umweltfaktoren und -stressoren, durch die deren schädliche Wirkung auf die Gesundheit verstärkt wird. Für Bayern ist bereits mit erhöhten Ozon- und Feinstaubbelastungen auf Grund eines allgemein wärmeren und in den Sommermonaten trockeneren Klimas zu rechnen.

 

Moderner Städtebau durch Umweltdaten

Professor Michael Bittner erklärte weitere Möglichkeiten, die BioClis dem Städtebau und der Anpassung des Stadtklimas sowie der Unterstützung der Stadt- und Verkehrsplanung ermöglicht. So sind die aggregierten Daten von BioClis und daraus abgeleitet Formeln zur Berechnung von Gesundheitsindizes ein mächtiges Planungswerkzeug des modernen Städtebaus, bei welchem Gesundheitsökonomie und die Folgen des Klimawandels bedacht werden. Charakterisieren ließe sich daraus z. B.

  • Stadtgebiete mit umweltbedingt erhöhten Gesundheitsrisiken
  • Geeignete Orte für Krankenhäuser, Altenheime, Kindergärten, Bildungseinrichtungen
  • Auswirkung von Baumaßnahmen auf Belüftung und Schadstofftransport
  • Begrünungsmaßnahmen und Baustoffauswahl (Straßen, Gebäude) für die Kühlung von Stadtgebieten

Ein wichtiges Kennwort ist hier das sogenannte „green routing“, also ein umweltbewusstes Planen von Fahrstrecken und Parkmöglichkeiten (oft als „Blaue Zone“ bezeichnet). Hierunter fällt auch die Nutzung von Kraftfahrzeugen als mobile Umweltsensoren. Schließlich erläuterte Professor Bittner den Entwicklungsstand eines makroskopischen (statistische Mittelwerte wie Temperatur, Druck, Dichte), biophysikalischen Modells, mit dem der Einfluss von Umweltstressoren auf das Wohlbefinden zukünftig vielleicht genauer berechnet werden kann.

 

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BioClis Workshop UNIKA T 25 Nov 2019 4Das Foto zeigt die Veranstalter und Teilnehmenden des BioClis-Arbeitstreffens am UNIKA-T vom 25.11. 2019. Vorne v.r. Prof. Claudia Traidl-Hoffmann (TUM), Prof. Michael Bittner (DLR/UniversitätAugsburg), Prof. Tanja Gschlößl (Bayer. Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz) sowie Ministerialrat Dr. Martin Hicke (Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege). (Foto: UNIKA-T)

BioClis Workshop UNIKA T 25 Nov 2019 Web NachrichtDas Foto zeigt die Teilnehmenden am BioClis-Arbeitstreffen. (Foto: UNIKA-T)