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Das IEM-Seminar 2018 – Umweltmedizinische Vortragsreihe mit breitem Themenspektrum

IEM-Seminar (Umweltmedizin)

26.10.2018

Seit 2016 lädt die Ordinaria des Lehrstuhls und Instituts für Umweltmedizin, Professorin Claudia Traidl-Hoffmann, regelmäßig solche Wissenschaftler zum Vortrag auf dem IEM-Seminar ein, deren Forschung von Interesse für die Umweltmedizin am UNIKA-T ist. Im den folgenden Abschnitten lesen Sie deshalb eine Zusammenschau der zurückliegenden sieben Seminare:

Strukturähnliche Proteine allergener Pflanzen - Biotechnologie auf dem IEM-Seminar

Mit Professor Wilfried Schwab (siehe Foto) von der Technischen Universität München fand am 15.10.2018 ein besonders innovativer Beitrag zum Thema allergenauslösender Proteine statt. Das Forscherteam am BiNa (Biotechnologie der Naturstoffe), das Professor Schwab leitet, hatten u. a. Erdbeeren und Tomaten hinsichtlich des Einflusses von Sorte, Anbauart und Klimaeinflüssen auf die Allergenität erforscht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass insbesondere die genetischen Merkmale über die Allergenität des Erdbeerhauptallergens Fra a 1 mit entscheidet. Professor Schwab zeigte in seinem Vortrag auf dem IEM-Seminar auf, dass es innerhalb eines Hauptallergens, etwa von Birke oder Erdbeere, weitere Unterformen (sog. Isoformen) gibt, von denen wiederum einzelne aufgrund ihrer Oberflächenstruktur spezielle Proteinstrukturen aufnehmen können. Diese Proteine schützen Pflanzen bei biotischem und abiotischen Stress, sind aber zum Teil hochallergen. Ein vielversprechender Forschungsansatz, der eine neue Kollaborationsmöglichkeit für die Umweltmedizin bedeutet.

Erst am 10.09.2018 berichtete die Wissenssendung des Bayerischen Rundfunks "IQ Wissenschaft und Forschung" über Obstallergien und die Ergebnisse des BiNa. Professorin Traidl-Hoffmann erklärte in dieser Sendung als Expertin, warum es bei Birkenallergikern zu starken Kreuzreaktionen mit dem Erbeerallergen kommt. Grund ist die Strukturähnlichkeit von Fra a 1 mit dem Birkenhauptallergen Bet v 1. Den Beitrag auf des BR können Sie hier als Podcast nachhören (ab Minute 19:05 zu obigem Thema).


Das Mikrobiom: Zusammenhänge zwischen Viren, Bakterien und der Gesundheit

„Molekulare Mechanismen der Interaktion Mensch-Umwelt“ sind ein weiterer Themenkomplex in Traidl-Hoffmanns Forschung. Von besonderem Interesse ist hierbei das Mikrobiom – also die Gesamtheit aller Pilze, Viren und Bakterien innerhalb eines Systems, insbesondere ihre Anzahl (wie viele unterschiedliche Mikrobenspezies) und Häufigkeit (wie viele Mikroben pro Spezies). Gleich vier Vorträge fanden auf dem IEM-Seminar 2018 zu diesem Thema statt:

  • Profesor Christoph Steininger von der Universität Wien referierte am 14.05.2018 über das menschliche Virom (denn alle Lebewesen und Dinge besitzen ein Mikrobiom) und dessen Einfluss auf Krankheit und Gesundheit. Steiniger erklärte, dass es einen hohen Anteil unbekannter Virenbestandteile im Mikrobiom gibt, der zunächst erforscht werden muss.
  • Dr. Li Deng vom Helmholtz Zentrum München erklärte am 11.06.2018 die funktionelle Rolle des Viroms. Deng bezeichnete das Virom als treibendes Element bei der Herausbildung des Mikrobioms und stellte auf ihrem IEM-Seminar ein eigenes Analysewerkzeug zur Bestimmungs des Viroms vor.

Diese beiden Vorträge machten klar, dass die Forschungsgemeinschaft mehr Studien zum Virom durchzuführen hat, da die Interaktion zwischen Viren und Bakterien und von Viren mit dem Immunsystem die Gesundheit bzw. die Entstehung von Krankheiten beeinflusst.

  • Professor Andreas Peschel von der Universität Tübingen berichtete am 02.07.2018 über das Bakterium Staphylococcus aureus, das nicht nur als Pathogen bzw. krankheitsauslösender Faktor, sondern auch als kommensaler Bestandteil des Mikrobioms vorkommt. Kommensal sind Bakterien immer Teil eines gesunden Gleichgewichtes verschiedener Bakterienarten.
  • Professor André Gessner vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene Regensburg schließlich referierte am 23.07.2018 (siehe Foto) über Zusammenhänge zwischen den Enzymen aus Bakterien und metabolischen, kardiovaskulären und neuro-psychiatrischen Krankheitsentwicklungen.

Den Fachbereich der Mikrobiologie am UNIKA-T leitet Dr. Matthias Reiger, dessen Fokus auf den Bakterien der Haut liegt. Die Vorträge auf dem IEM-Seminar über Bakterien des Mikrobioms auf der Haut verdeutlichen die Wichtigkeit dieser Forschung für die translationale Medizin. Das Virom ist u. a. von Interesse für den Fachbereich der Umwelt-Immunologie von PD. Dr. Stefanie Gilles. Außerdem ist der Fachbereich der Umwelt-Bioinformatik von Professor Avidan Neumann an der Mikrobiomforschung beteiligt, da Mikroben meist über ihre Erbinformation identifiziert werden. Dies zu erkennen beinhaltet riesige Datensätze, die über bioinformatische und biostatistische Aufarbeitung für andere Fachbereiche analysierbar werden.


Klimaveränderungen beeinflussen Allergene und die Gesundheit

Der Themenkomplex „Klimawandel und Klimaeffekt: Folgen für Umwelt und Gesundheit“ ist ein Forschungsfokus von Professorin Traidl-Hoffmann. Das Fachgebiet der Aerobiologie am Lehrstuhl für Umweltmedizin untersucht dabei insbesondere, wie sich luftgetragene Allergen durch Klimaeffekte verändern, hinsichtlich ihrer Flugzeiten, Allergenität und Menge.

Der Leiter des aerobiologischen Fachbereiches am UNIKA-T, Dr. Athanasios Damialis konnte am 27.04.2018 mit Professor Pavlos Kassomenos von der Universität Ioannina und Anastasia Paschalidou, PhD, von der Demokrit-Universität Thrakien zwei Wissenschaftler  zum IEM-Seminar ans UNIKA-T einladen, die Klimaeffekte auf Allergene und auf die Gesundheit erforschen. Pavlos berichtete über physiologische, chemische und biologische Zusammenhänge zwischen Luftverschmutzung, Klimawandel, Allergenen und dem Immunsystem. Paschalidou referierte über Hitzestress und die damit korrelierte Zunahme von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bzw. Störungen der Atemwege. Ein gesteigertes Bewusstsein für die Probleme durch Allergene und Hitze insbesondere innerhalb von Städten ist ihrer Ansicht nach vonnöten, um die Gesundheit mittelfristig zu verbessern.

 

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Text und Fotos: V. Schiller / UNIKA-T

 

Wilfried Schwab IEM Seminar 15.10.2018 Foto V. Schiller 2Das Foto zeigt Professorin Claudia Traidl-Hoffmann und Professor Wilfried Schwab vor dem Laborgebäude der Umweltmedizin am UNIKA-T. (Foto. V. Schiller / UNIKA-T)

IEM Seminar mit Prof. Andre Gessner 4 Foto V. SchillerDas Foto zeigt Professorin Claudia Traidl-Hoffmann vorne links bei der Diskussion mit Professor André Gessner (zweiter von rechts) während des IEM-Seminars. (Foto: V. Schiller / UNIKA-T)