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Allergie: Eine unterschätzte Erkrankung – Interdisziplinäre Studie des UNIKA-T

Forschung: Projekte und Publikationen

20.02.2019

Die Anzahl allergischer Patientinnen und Patienten nimmt weltweit in den industrialisierten Regionen zu. Klimawandel, Lebensqualität, Luftverschmutzung und viele weitere Faktoren sind dafür verantwortlich. Allergie-Forschung ist ein Kernthema am UNIKA-T, und die Frage stellt sich, ob die Allergie von der Gesellschaft und der Wissenschaft als eine ernstzunehmende, chronische Erkrankung gesehen wird. Nehmen Patientinnen und Patienten das richtige Verhalten gegenüber ihrer eigenen Erkrankung an, etwa durch Zurateziehen einer Ärztin oder eines Arztes, die Verschreibung der passenden Medikation oder den bestmöglichen Informationserhalt durch die Umwelt-Gesundheitswissenschaften?

Um die zuvor genannten und viele weitere Fragen zu beantworten, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der UNIKA-T-Lehrstühle “Health Care Operations/Health Information Management” und “Umweltmedizin” das Gesundheitsverhalten allergischer Individuen in Augsburg erforscht. Die Studienergebnisse wurden kürzlich im Fachjournal „Aerobiologia“ unter dem Titel „Pollen allergy and health behaviour: patients trivializing their disease“ veröffentlicht. Mehr Informationen zur Publikation können Sie hier nachlesen.

Studienmethode:

697 Allergikerinnen und Allergiker aus der Region Augsburg nahmen im Jahr 2016 an einer Umfrage teil, für die ein Fragebogen mit Bezug auf Pollen-Allergie entwickelt wurde. Die Fragen behandelten das Gesundheitsverhalten, Medikation, und andere Faktoren in sieben Themenbereichen:

  • Geschlecht, Alter und Bildungsstand (demografische Daten)
  • Allergentyp, Symptomausprägung, Symptomhäufigkeit
  • Vermeidungsstrategien (Raumbelüftung, Aufenthalt im Freien, Duschverhalten)
  • Medizinische Sprechstunde (Allergie-Diagnose, verschriebene Medikamente)
  • Wissen um und Verwendung von Polleninformationsdiensten (z. B. auf der UNIKA-T-Webseite)
  • Auswirkung der Symptome (Stärke, Einschränkungen, Produktivitätsverlust)
  • Persönliche Haltung gegenüber Allergien (chronisch, ernsthafte oder vernachlässigbare Krankheit)

 

Studienergebnisse (Auswahl):

  • Ungefähr 10 % aller Atopikerinnen und Atopiker kennen nicht den Grund für ihre Allergie; etwa ein Fünftel der Befragten hatte trotz sichtbarer Symptom bisher keine Allergie-Testung. Dennoch nehmen mehr als 85 % der Befragten ein oder mehrere Medikamente gegen Allergien regelmäßig zu sich.
  • Frauen holen sich eher ärztlichen Rat und erhalten somit rechtzeitiger die individuelle Medikation, vor allem wenn die Symptomschwere durch Allergien steigt.
  • Frauen vermerken tendenziell einen stärker negativen Effekt durch Allergien auf ihr Sozialleben und die Produktivitätsrate an ihrem Arbeitsplatz.
  • Eine Korrelation zeigt: Je mehr Jahre eine an Allergie erkrankten Person an den Symptomen leidet und je schlimmer diese Symptome werden, desto mehr Vermeidungsstrategien werden angewendet.
  • Etwa 73 % aller an der Umfrage beteiligten Personen nahm regelmäßig Medikamente gegen ihre Allergie-Symptome ein; mehr als die Hälfte davon ohne ärztlichen Rat.
  • 70 % der Studienteilnehmer haben bisher noch keine Information über Pollenflug eingeholt und wussten nicht, dass diese Informationsdienste angeboten werden.
  • Weniger als 30 % der Allergikerinnen und Allergiker nimmt die (allergie)spezifische Immuntherapie in Anspruch, obwohl diese Therapie momentan die einzige kausative Therapieform ist, die bestenfalls eine Allergie heilen kann.

 

Kernproblem:

Trotz der weltweiten Zunahme an Häufigkeit und Symptomatik allergischer Erkrankungen und trotz in der Folge gesundheitlicher und sozio-ökonomischer Auswirkungen, trivialisieren und unterschätzen viele allergische Individuen ihre Krankheit und behandeln diese falsch – immer noch, bis heute.

 

Lösungsansatz:

Die Autoren der Studie sind der Meinung, dass eine angemessene Ausbildung allergischer Personen zur Lösung des Problems beiträgt. Eine personalisierte Medizin und die Verwendung von Echtzeit-Polleninformationsdiensten mittels mobiler Apps muss als der geeignetste Ansatz zum Erreichen des bestmöglichen Managements von Allergien gelten: Prävention.

 

Infobox 1 - Allergie-Spezifische Immuntherapie:

Wenn allergische Patienten eine Ärztin oder einen Arzt konsultieren, ist die Verordnung von speziellen Medikamenten entsprechend der jeweiligen Allergie-Art und Symptomausprägung möglich. Manche Allergien verursachen zusätzliche Krankheiten – z. B.­­ Urticaria, gegen das verschreibungspflichtige Steroide helfen. Die Allergie-Spezifische Immuntherapie ist die einzig kausative Therapie gegen Pollen-Allergien. Die Kosten dafür werden normalerweise von den Krankenkassen bezahlt. Eine Behandlung lindert die Symptome und hilft dem Körper, eine dauerhafte Toleranz gegenüber pollenspezifischen Allergenen zu entwickeln.

 

Infobox 2 - UNIKA-T-Webinformationsdienst zum Pollenflug:

Das UNIKA-T betreibt eine Pollen Supersite in Augsburg und veröffentlicht dessen Daten zum Pollenflug über die Webseite “www.unika-t.de/pollenflug”. Mithilfe dieser Information können allergische Personen darüber entscheiden, ob Freizeitaktivitäten möglich sind, ob sie stattdessen die Exposition durch Aufenthalt im Inneren vermeiden sollten oder ob die passende Medikation hilft.

 

Folgen Sie der Umweltmedizin am UNIKA-T auf twitter:

@UNIKAT_IEM

@Traidl_Hoffmann

 

medical consultation and discussion of study results shutterstock 250522252Ärztlicher Rat und Diskussion von Studienergebnissen. (Foto: Shutterstock)

Entstehung von Pollen Allergien shutterstock 277938902Die Grafik zeigt sehr vereinfacht die Entstehung von Allergien. (Foto: Shutterstock)