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Eine Welt ohne Lebensmittelallergien: Dank dem Zentrum für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung (ZIG, Universität Augsburg) referiert Professorin Kari Nadeau auf der UNIKA-T Vortragsreihe

UNIKA-T Vortragsreihe

24.10.2019

Am 16.10.2019 hielt Professorin Kari Nadeau, Direktorin am Sean N. Parker Center for Allergy and Asthma Research an der Stanford University, Kalifornien, am UNIKA-T einen Vortrag zum Thema „A world without food allergy - fiction or reality“. Zahlreiche Naturwissenschaftler, praktizierende Ärzte und interdisziplinär mit der Umweltmedizin vernetzte Forschende folgten der Einladung von Ordinaria Claudia Traidl-Hoffmann, um per Webkonferenz und im Seminarraum des UNIKA-T am hoch informativen und interaktiven Vortrag der Ausnahmewissenschaftlerin Nadeau teilzunehmen. Finanziert wurde Nadeaus Gastaufenthalt vom Zentrum für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung (ZIG) der Universität Augsburg sowie vom Verein Freunde und Föderer der Gesundheitswissenschaften in Augsburg e. V. (GEWISA). Bemerkenswert an Nadeau ist, dass sie sich neben ihrer Forschungserfolgen für internationale humanitäre und edukative Projekte stark macht. In ihrem Vortrag zu Nahrungsmittelallergien im Rahmen der UNIKA-T Vortragsreihe referierte die Fachärztin u. a. über Erfolge bei der Therapie und neueste Erkenntnisse in der Diagnostik durch den Einbezug von Umweltfaktoren, aber auch über die Interaktion des Immunsystems an Haut und Darm. Gemeinsam mit Professorin Traidl-Hoffmann werde es eine internationale Kollaboration geben, um die Erkenntnisse der Allergieforschung zu einen und daraus ableitend Gesamtempfehlungen für Allergiker auf der ganzen Welt zu entwickeln. Schlussendlich gehe es Nadeau – wie auch Traidl-Hoffmann – als Ärztin und Wissenschaftlerin um die nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität der an Allergien erkrankten Personen und ihren Angehörigen.

Um ein besseres Verständnis über die Ursachen systemischer Krankheiten wie der Nahrungsmittelallergie zu vermitteln, erläuterte Prof. Kari Nadeau u. a. folgende Parameter:

  • Genetik
  • Ernährung
  • Mikrobiom
  • Umweltfaktoren
  • Luft-/ Wasser-/ Bodenverschmutzung
  • Medikamente

Die Vielfalt, bzw. Diversität sei bei all diesen Faktoren von besonderer Wichtigkeit. Eine vielseitige Ernährung im ersten Lebensjahr beispielsweise habe protektive Wirkung gegen Nahrungsmittelallergien, so Nadeau. Ein möglichst artenreiche Besiedelung der Haut mit Mikroben, was etwa durch den frühen Kontakt mit der Natur (Bauernhofumgebung u. Ä.) und der Mutter passiert, sei u. a. förderlich für eine intakte Hautbarriere, weiß Traidl-Hoffmann.

 

Fortschritte bei der allergenspezifischen Immuntherapie - Klinische Forschung und Translation

Prof. Kari Nadeau ist weltweit bekannt durch ihre Erfolge in der allergenspezifischen Immuntherapie (s. Fachwissen). Diese funktioniert über die Gabe der allergieauslösenden Substanz, entweder als Nahrungsmittel (oral), auf die Schleimhaut (sublingual) oder über eine Injektion unterhalb der Haut (subkutan). Dabei wird in zeitlichem Abstand die Dosis des Allergens aufdosiert bzw. erhöht, wodurch das Immunsystem wieder selbst erlernen soll, Toleranz gegenüber dem Allergen zu entwickeln. Nadeau erklärte Besonderheiten der oralen Immuntherapie. Es gehe ihr um eine andauernde Desensibilisierung gegenüber Lebensmittelallergenen bereits im Kindesalter. Hierfür seien noch mehr Biomarker ausfindig zu machen, also klinische Messwerte der von einer Allergie betroffenen Person, und zwar von der genetischen Veranlagung über spezifische Antikörper (bei Allergien IgE) im Blut bis hin zu sichtbaren Merkmalen wie etwa der Entzündungsfläche bei Hautekzemen.

 

Umwelt und Ernährung - Der Einfluss von Umweltfaktoren auf Pflanze und Mensch

Als Ärztin, so berichtet Nadeau, behandele sie immer mehr Patienten, die eine Polisensibiliserung aufweisen, die also allergische Reaktionen auf mehr als ein Nahrungsmittel zeigen. Insbesondere bei Erwachsenen komme es zu neuen, vorher selten oder nicht diagnostizierten Nahrungsmittelallergien. Für Nadeau seien die Luft- und Wasserverschmutzung dafür ein ursächliches Problem. Durch solche schädlichen Umweltfaktoren könne die Hautbarriere geschädigt werden. Dies sei ein Problem, welches Professorin Traidl-Hoffmann bei Patientensprechstunde in der Hochschulambulanz für Umweltmedizin ebenfalls feststelle.

 

Multifaktorieller Krankheitsverlauf: Nahrungsmittelallergien könnten an der Haut beginnen

Häufig sprechen Ärzte von der sogenannten Allergikerkarriere. Gemeint ist damit ein Etagenwechsel, der in der frühen Kindheit v. a. durch Neurodermitis und Nahrungsmittelallergien charakterisiert ist, im Jugendalter mit Allergien gegen luftgetragene Allergene wie Pollen oder Pilzsporen weiter verläuft und im Erwachsenenalter meist mit asthmatischen Beschwerden fortbesteht. Nadeau unterstreicht die Hypothese, dass die Sensibilisierung, also die Scharfstellung des Immunsystems, über einen Kontakt der Allergene mit der Haut zustande komme. Dabei gilt folgender Mechanismus:

  • Kontakt über die Haut -> Allergie
  • Kontakt über den Darm -> Toleranz

So ist auch klar, wie eine gezielte Prävention des Allergischen Marsches möglich ist:

1. Barriere-Reparatur der Haut verhindert den Kontakt von Nahrungsmitteln mit Immunzellen
2. Frühe Orale Exposition mit Nahrungsmitteln (s. AWMF Leitlinie Allergieprävention)

 

Freier Austausch von Daten als Voraussetzung für eine international und interdisziplinär erfolgreiche Forschung

Neben der offenen Diskussionsatmosphäre war ein Kennzeichen von Kari Nadeaus Vortrag der häufige Bezug zu Studien, deren Daten und Resultate Grundlage für eine erfolgreiche Wissenschaft seien. Innerhalb der Forschungsgemeinschaft müsse aufeinander gehört werden. Je einfacher abrufbar Datensätze generiert und gespeichert werden, desto genauer und schneller könne geforscht werden und darüber eindeutige und klar belegbare Empfehlungen für Allergiker und deren Angehörige publiziert werden. Diese Kernbotschaft dieses wichtigen Vortrages auf der UNIKA-T-Vortragsreihe muss weiter kommuniziert werden. Traidl-Hoffmann knüpfte daran an, indem sie den Zuhörern erklärte, dass eine offene und klar verständliche Wissenschaftskommunikation ihr persönliches Anliegen sei.

 

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Kari Nadeau am UNIKA TDas Foto zeigt v.l. Prof. Claudia Traidl-Hoffmann (UNIKA-T), Dr. Stefan Gölder, Dr. Michael Gerstlauer und Susanne Nau (Universitätsklinikum Augsburg), Prof. Kari Nadeau (Stanford University) sowie Prof. Elke Hertig (Universität Augsburg) (Foto: UNIKA-T)

Kari Nadeau am UNIKA T 2Das Foto zeigt v.l. Dr. Madhumita Bhattacharyya (UNIKA-T), PD Dr. Jens Soentgen und PD Dr. Kirsten Twelbeck (Universität Augsburg), Prof. Claudia Traidl-Hoffmann (UNIKA-T), Prof. Kari Nadeau (Stanford University) sowie Dipl.-Geogr. Franziska Kolek, Biostatistikerin Daniela Bayr und die Aerobiologin Dr. María Plaza (UNIKA-T) (Foto: UNIKA-T)