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Klimawandel muss von der Gesellschaft als Notfall eingestuft werden - Pressegespräch am Universitätsklinikum Augsburg

Presse-Informationen

22.07.2019

Anlässlich des 2. Augsburger Neurodermitis-Symposiums, welches am 19. und 20. Juli 2019 am Universitätsklinikum Augsburg abgehalten wird, veranstaltete Symposiumsleiterin, Prof. Claudia Traidl-Hoffmann, ein Pressegespräch zum Thema „Klimawandel macht krank: Die Natur und den Menschen – Welche Chancen für die Zukunft unserer Kinder und unserer Welt bringt die (medizinische) Forschung“. Mit der Schirmherrin des Symposiums und Präsidentin der Universität Augsburg, Prof. Sabine Doering-Manteuffel, Astrophysiker und Klima-Experten Prof. Harald Lesch, dem stv. Ärztlichen Direktor des Universitätsklinikums Augsburg, Priv.-Doz. Markus Wehler, und dem Vorsitzenden von KLUG - Deutsche Allianz Klimwandel und Gesundheit, Dr. Martin Herrmann, nahmen herausragende Persönlichkeiten der Deutschen Forschungsgemeinschaft am Pressegespräch teil, um über die aktuellen Herausforderungen des Klimawandels in Bezug auf die Gesundheit vor der Presse zu sprechen. Außerdem beantworteten Sie Fragen der Presse zum Thema.

 

Die drei Kernbotschaften des Pressgespräches sind:

1. Der Klimawandel muss von allen in der Gesellschaft als Notfall eingestuft werden, um gemeinsam sofort greifende und verpflichtende Handlungsstrategien entwickeln und umsetzen zu können.

Harald Lesch, der im Anschluss an das Pressegespräch zusammen mit Herrmann auf dem Symposium einen Vortrag zum Thema „Klimawandel und die Folgen für die Gesundheit“ (siehe Foto) hielt, erklärte den „Notfall“ ausführlicher. Es wird erst in 15-35 Jahren klar werden, ob eine kritische Klimaveränderung durch Klimaschutz überhaupt abgehalten werden konnte. Die Wissenschaft könne nicht beweisen, ob es noch „5 vor 12“ sei, oder bereits „5 nach 12“. Die Natur passe sich entlang der Naturgesetzmäßigkeiten den veränderten Bedingungen in jedem Fall an. Wenn die Menschen aber nicht jetzt den Klimawandel als Notfall betrachteten und Sofortmaßnahmen ergreifen, würden Teile des Planeten (v. a. Südafrika und Südamerika und Asien, siehe Foto, aber auch Regionen in Russland, Nordamerika und Europa) in wenigen Jahrzehnten die meiste Zeit über unbewohnbar werden. Die Zukunft unseres Planeten und unserer Kinder verlange deshalb die Einstufung des Klimawandels als Notfall für die Erde. Doering-Manteuffel betont auf dem Pressegespräch, dass seit Jahrzehnten bekannt sei, dass der Klimaschutz angegangen werden muss. Aber erst mit der Gründung einer neuen medizinischen Fakultät in Augsburg wurde dem Thema „Umwelt“ ein eigener Forschungsbereich gewidmet. Hierfür habe Traidl-Hoffmann entscheidende Vorarbeit geleistet.


2. Die Folgen der Klimaveränderungen machen gleichermaßen den Menschen und die Natur krank. Hierzu zählen insbesondere die verschmutzte Luft (Stickoxide, Treibhausgase, Methan usw.), erhöhte Durchschnittstemperaturen, Dürrephasen, extreme Witterungsverhältnisse.

Besonders kritisch sehen Lesch und Herrmann, dass die Dämpfungswirkung der Ozeane auf den CO2-Gehalt in der Atmosphäre sich einstellen könnte. Hinzu kämen Phänomene, wie das Auftauen des Permafrostbodens im Norden Russlands, wo Pflanzenreste an die Oberfläche gelangen, dort von Mikroben zersetzt werden, und dadurch zusätzlich Methan und andere Stoffwechselprodukte freisetzen. Traidl-Hoffmann zufolge zeige sich bei Allergien-Patienten bereits das gesamte Jahr über Symptome. Der Pollenflug beginne früher und neue Pflanzenarten brächten eine erhöhte Pollenbelastung mit sich. Hinzu komme, dass die Luftschadstoffe und erhöhte Ozon- und UV-Werte die Pollen allergener mache. Für Neurodermitis-Patienten haben die Klimaveränderungen ebenfalls Folgen. Die eigentlich schützende, natürliche Barriereschichten von Haut und Lunge werde beschädigt. Dadurch könnten Umweltgifte und Allergieauslöser einfacher Symptome hervorrufen. Deshalb sei die Patienteninformation ein zentrales Anliegen der Umweltmedizin, wofür sie sich ausdrücklich bei Dipl.-Geogr. Ulrike Koller, stellvertretend für die Arbeit des Allergieinformationsdienstes bedankte.


3. Forschung zum Klimawandel und Klinische Forschung müssen zusammen gelegt werden, um die Prävention, Edukation, Therapie und Diagnose von Umwelterkrankungen zu ermöglichen

Wehler berichtet von der Notaufnahme am Universitätsklinikum Augsburg, in welcher die von Zecken übertragene Frühsommer-Meningitis (Hirnhautentzündung) bereits im Januar auftrete. Dies sei eine „überzufällige“ Häufung eines Krankheitsbildes zu einer ungewöhnlichen Zeit, wie er es auch bei Schlaganfällen oder allergischen Schockreaktionen beobachte. Wehler sprach auch die Initiative „UMAGG - University Medicine Augsburg goes Green“ an, die Sofortmaßnahmen der Bediensteten und des Klinikbetriebes veranlasse, um zum Klimaschutz beizutragen, etwa der Stop von Plastikbechern im Kantinenbetrieb oder die Verwendung von Plastiküberzügen der Krankenhausbetten. Für Herrmann und Traidl-Hoffmann ist die Edukation ein wichtiges Thema. Laut Herrmann versage die Wissenschaft und Politik in vielen Themen bei der Kommunikation der Folgen von Klimaveränderungen für die Gesundheit. Traidl-Hoffmann verweist im Pressegespräch auf das Positionspapier „Luftverschmutzung und Gesundheit“, was den Vereinten Nationen am 19. Juni (wir berichteten) überreicht wurde. Es brauche mehr globale Anstrengung, um die Folgen des Klimawandels für die Gesundheit abzumildern. Hierfür sei die Neurodermitis und das 2. Augsburger Neurodermitis-Symposium ein erster Ansatz, da die Neurodermitis als Modellerkrankung für andere Krankheiten gelten könne. Wenn, so Traidl-Hoffmann weiter, es der Medizin gelingt, die Neurodermitis erfolgreich zu behandeln, werden wir andere Krankheiten mit ähnlichen Methoden behandeln können. Dafür aber, da sind sich die Teilnehmenden des Pressegespräches einig, brauche es eine gemeinsame, gesellschaftliche Anstrengung, wie sie etwa die "Friday for Future"-Bewegung einfordere.

 

Augsburger Presse berichtet über das Pressegespräch „Klimawandel macht krank - Die Natur und den Menschen“

Den Artikel der Augsburger Allgemeinen können Sie hier nachlesen.

Den Artikel in der Neuen Sonntagspresse können Sie hier (Seite 4) nachlesen.

 

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Web Nachricht Pressegespraech 2. Augsb. Neurod. Symp. 4Das Foto zeigt eine Grafik aus dem Vortrag von Prof. Lesch und Dr. Herrmann, auf der verschiedene Klimaszenarien je nach CO2-Emmission abgebildet sind (Foto: UNIKA-T)

Web Nachricht Pressegespraech 2. Augsb. Neurod. Symp. 1Das Foto zeigt das Pressegespräch "Klimawandel macht krank - Die Natur und den Menschen" am 19.07.2019 am Universitätsklinikum Augsburg (Foto: UNIKA-T)

Web Nachricht Pressegespraech 2. Augsb. Neurod. Symp. 2Das Foto zeigt die fünf Referenten des Pressegespräches, v. l. Prof. Sabine Doering-Manteuffel, Priv.-Doz. Markus Wehler, Prof. Claudia Traidl-Hoffmann, Prof. Harald Lesch und Dr. Martin Herrmann (Foto: UNIKA-T)

Web Nachricht Pressegespraech 2. Augsb. Neurod. Symp. 8Das Foto zeigt Prof. Harald Lesch, der ein Foto kommentiert, auf welchem Golfspieler vor einem Waldbrand zu sehen sind. (Foto: UNIKA-T)

Web Nachricht Pressegespraech 2. Augsb. Neurod. Symp. 3Das Foto zeigt den voll besetzten Großen Hörsaal des Universitätsklinikums Augsburg beim Vortrag "Klimawandel und die Folgen für die Gesundheit", den Harald Lesch und Martin Herrmann im Anschluss an das Pressegespräch hielten (Foto: UNIKA-T)

Web Nachricht Pressegespraech 2. Augsb. Neurod. Symp. 6Das Foto zeigt Prof. Harald Lesch und Prof. Claudia Traidl-Hoffmann bei der Diskussion im Anschluss an den Vortrag von Harald Lesch nach dem Pressegespräch (Foto: UNIKA-T)

Web Nachricht Pressegespraech 2. Augsb. Neurod. Symp. 10Das Foto zeigt v. l. Dr. Martin Herrmann, Prof. Claudia Traidl-Hoffmann, Prof. Sabine Doering-Manteuffel und Prof. Harald Lesch auf dem 2. Augsburger Neurodermitis-Symposium im Anschluss an das Pressegespräch und den Vortrag (Foto: UNIKA-T)