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Vereinte Nationen veröffentlichen Stellungnahme „Luftverschmutzung und Gesundheit“ unter Mitwirkung von Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann

Allgemeine Nachrichten

01.07.2019

Am 19. Juni 2019 fand im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York eine Arbeitssitzung statt, um die Stellungnahme „Air Pollution and Health“ offiziell bekanntzugeben. Diese Stellungnahme wurde von den vier nationalen Wissenschaftsakademien Südafrikas, Brasiliens, Deutschlands und der USA sowie der US-Akademie für Medizin vorbereitet, um über die Vereinten Nationen Handlungsempfehlungen für alle Länder weltweit entwickeln zu können, die den Erhalt bzw. die Wiederherstellung sauberer Luft beinhaltet.

Die Kernpunkte der Stellungnahme sind*:

  • Schlechte Luftqualität bedroht die Gesundheit jedes Menschen über die gesamte Lebensspanne.
  • Luftverschmutzung stellt eine Bedrohung für die nachhaltige Entwicklung der Umwelt dar.
  • Die Verbrennung von fossilen Brennstoffen und Biomasse ist weltweit die bedeutendste Quelle der Luftverschmutzung.
  • Luftverschmutzung ist ein vermeidbares Problem, was kosteneffizient bekämpft werden kann.
  • Staaten handeln unethisch, wenn sie Luftverschmutzung zugunsten einer wirtschaftlichen Entwicklung billigend in Kauf nehmen.

Die Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann hatte am 1. November 2018 auf der Klimakonferenz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) (wir berichteten) eine Plenarvortrag gehalten, bei dem sie die Entstehung von Allergien und Hauterkrankungen mit Luftverschmutzung in einen Zusammenhang stellen konnte. Für die jetzt von den Vereinten Nationen angenommenen Stellungnahme war Traidl-Hoffmann vom 19. bis 22. März 2019 auf der Sitzung der fünf Akademien in New York (siehe Foto), um mit ihrem Fachwissen um Klimawandel und Gesundheit entscheidend zur Formulierung der Stellungnahme beizutragen. Stellvertretend für die deutsche Akademie der Wissenschaften - Leopoldina war Professor Jean Krutmann bei der Übergabe der Stellungnahme am 19. Juni anwesend, zusammen mit dem deutschen UN-Botschafter Dr. Christoph Heusgen.

Die Vereinten Nationen habe die Übergabe der Stellungnahme als Video aufgezeichnet. Dieses können sie hier abrufen.

Die gesamte Stellungnahme können Sie hier nachlesen.

Luftverschmutzung und Klima verstärken sich gegenseitig

Für Direktorin Claudia Traidl-Hoffmann sind die Zusammenhänge zwischen schlechter Luftqualität und Krankheit seit vielen Jahren ein zentrales Thema ihrer Forschungsarbeit. Die jetzt bekannt gemachte Stellungnahme listet die wichtigsten Zusammenhänge u. a. wie folgt*:

  • Durch schlechte Luftqualität sind besonders Ungeborene, Kinder, alte Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen gefährdet.
  • Luftverschmutzung trägt zu Herzerkrankungen, Schlaganfällen, Krebs, Asthma, chronisch obstruktiver Lungenerkrankung, Diabetes, Allergien, Hautausschlägen und Hautalterung bei.
  • Biologische Faktoren, welche die individuelle Gefährdung erhöhen, sind eine genetische Prädisposition sowie bereits bestehende Erkrankungen.

In der Stellungnahme wird deutlich, dass Luftverschmutzung und Klimawandel sich gegenseitig verstärken, etwa Methan bei der Bildung bodennahen Ozons. In einer früheren Forschungsarbeit konnten Wissenschaftler um Traidl-Hoffmann herausarbeiten, dass Ozon die Allergenität von Pflanzen erhöht (Publikation siehe hier), wodurch es direkt die Gesundheit beeinträchtigt. Eine neuere Publikation zeigt den Zusammenhang von Klimaveränderungen und Pollen-Allergien auf (siehe hier). Erstautor Dr. Athanasios Damialis ist Fachbereichsleiter der Aerobiologie am UNIKA-T und erforscht dort, wie luftgetragene Allergenträger, z. B. Pollen oder Schimmelsporen, durch veränderte Klimabedingungen in Vorkommen, Ausbreitung und Allergenität schädlicher für die Gesundheit werden.


Medizinische Fakultät in Augsburg erforscht wissenschaftliche Evidenz zum Zusammenhang von Umwelt und Gesundheit

Die Stellungnahme „Air Pollution and Health“ endet mit einem Handlungsaufruf an Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, die Luftverschmutzung deutlich zu reduzieren. Dennoch sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich, um die wissenschaftliche Evidenz über den Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Krankheit, aber auch das Werkzeug zur Ermittlung von Luftqualität liefern zu können. Darüber erst können nationale Handlungsanweisungen erfolgen, die eine Verbesserung der Gesundheit zur Folge haben werden. Gerade auf diese Zielsetzung ist die neue medizinische Fakultät in Augsburg mit dem Schwerpunkt „Umwelt und Gesundheit“ ausgerichtet. Claudia Traidl-Hoffmann ist Direktorin für Umweltmedizin am Universitätsklinikum Augsburg und wird mit ihrer klinischen Forschung entscheidend zu dieser wissenschaftlichen Evidenz beitragen.

 

*Inhalt adaptiert aus Arbeitsübersetzung von "Air Pollution and Health", www.leopoldina.org/publikationen

 

Folgen Sie der Umweltmedizin am UNIKA-T auf Twitter:

@UNIKAT_IEM

@Traidl_Hoffmann

UN Konferenz der nat. Akademien Fotorechte BringIntoBeing.com Jonas GustavssonAuf dem Foto sind u. a. zu sehen: Leitung der Wissenschaftkommission Jacqueline McGlade (3. Reihe von oben, 1. v.l.), Leopoldina Jan Nissen (2. Reihe von unten, 1. v.r.), Leopoldina Kathrin Happe (2. Reihe von unten, 2. vl.), Jean Krutmann (1. Reihe von unten, 4. v.l.) und die Epidemiologin Sinead Langan (1. Reihe von unten, 3. v.r.); Fotorechte: ©BringIntoBeing.com/Jonas Gustavsson